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Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten
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Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sollten
nur in spezialisierten Zentren behandelt werden, an denen MKG-Chirurgen
mit anderen Fachärzten in interdisziplinären Teams zusammenarbeiten
und mindestens 30 Kinder pro Jahr versorgen. Denn diese Faktoren
entscheiden über das Behandlungsergebnis, betonen Experten auf
dem 51. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer-
und Gesichtschirurgie in Marburg.
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In Deutschland werden jährlich etwa 1500 Kinder
mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren. Betroffen ist
eines von 500 Neugeborenen. Damit gehören die Gesichtsspalten
zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Erbliche Veranlagungen
spielen eine gewisse Rolle. Doch wesentlicher dürften individuelle
Störungen während der Phase der Gesichtsbildung gegen Ende
des zweiten oder zu Beginn des dritten Schwangerschaftsmonats
sein: Eine mangelhafte Sauerstoff-Versorgung des Kindes im
Mutterleib, Erkrankungen der Mutter, der Konsum schädlicher
Substanzen wie Alkohol, Nikotin oder Drogen.
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Es gibt unterschiedliche Formen
der Spaltbildung. Die isolierten Lippen-Spalten, Lippen-Kiefer-Spalten
oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sind am häufigsten (eins
von 500 Kindern) und betreffen zumeist Jungen. Seltener sind
Spalten ausschließlich im harten und weichen Gaumen (eins
von 1500 Kindern),die überwiegend bei Mädchen auftreten. Bei
der Behandlung geht es jedoch nicht nur um ästhetische Aspekte.
Auch verschiedene Funktionsstörungen müssen korrigiert werden.
Diese betreffen beispielsweise Atmung und Nahrungsaufnahme,
Mimik, Hörvermögen und die Fähigkeit zur Lautbildung. Auch
das weitere Wachstum des Gesichts müssen die Ärzte bei den
Eingriffen berücksichtigen.
Neugeborene mit einer Gaumenspalte, bei der Mund- und Nasenraum
nicht getrennt sind, können schon in den ersten Lebenstagen
mit einer so genannten Gaumenplatte versorgt werden. Die Kinder
können gestillt werden, die Platte verbessert die Voraussetzungen
für die nachfolgenden spaltverschließenden Operationen. Diese
sind bereits möglich, wenn das Kind drei bis sechs Monate
alt ist, abhängig vom Gewicht, das fünf bis sechs Kilogramm
betragen sollte. Zunächst wir in diesem Alter die Lippenspalte
verschlossen und der Naseneingang gebildet. Die Gaumenspalten
werden bei späteren Eingriffen geschlossen. Bis zur Einschulung
sind die wesentlichen Eingriffe abgeschlossen, um Ästhetik
und Funktion wiederherzustellen. Mitunter können jedoch weitere
Eingriffe erforderlich sein, sobald das Wachstum abgeschlossen
ist. Neben den operativen Maßnahmen sind auch weitere Therapien
erforderlich, um Sprech- und Hörstörungen zu vermeiden oder
zu behandeln. So ist häufig eine stufenweise phoniatrische
und logopädische Behandlung notwendig.
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Aufgrund der hohen Komplexität der Fehlbildung
müssen die betroffenen Kinder von interdisziplinären Teams
betreut und behandelt werden. An insgesamt 50 Zentren in Deutschland
arbeiten MKG- Chirurgen, Kieferorthopäden, HNO-und Kinderärzte,
Phoniater und Pädaudiologen (Ärzte für kindliche Stimm-, Sprach-
und Hörstörungen)daher in solchen Teams zusammen.
Da diese Teams mindestens 30 Kinder pro Jahr versorgen, verfügen
sie auch über die notwendige Erfahrung, um die kleinen Patienten
mit guten Spätergebnissen behandeln zu können. Denn die Erfahrung
entscheidet genau so wie die Operationstechnik über das Resultat
der Behandlung, wie Studien belegen. Wie Dr. Carla Wegener
von der Klinik und Poliklinik für Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
des Klinikums der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt
berichtet, sind Störungen des Spracherwerbs bei Kindern, die
sachgerecht versorgt wurden, selten.
Die Linguistin hat insgesamt 342 Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
oder isolierten Gaumen-Spalten untersucht."Spaltbedingte typische
Störungen waren bei 52 Kindern (15,2%) zu beobachten und erforderten
bei 48 (14,0%) eine logopädische Therapie, die in allen Fällen
konsequent erst nach Erreichen der metasprachlichen Reife
(etwa mit 5 bis 5 1/2 Jahren)begann.
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Sorge bereitet den MKG-Chirurgen, dass es Einrichtungen
gibt, die nicht interdisziplinär arbeiten, geringe Erfahrung
haben, weil sie jährlich nur ein bis zwei Kinder behandeln,
und trotzdem immer noch solche kleinen Patienten versorgen.
Fehlt die Erfahrung besteht die Gefahr einer Fehlbehandlung,
betonen die Experten. Unterstützt wird diese Position auch von
einer bundesweiten Elterninitiative, der "Rosenthal-Gesellschaft",
die einen flächendeckenden und hohen Standard bei der Versorgung
betroffener Kinder fordert.
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